Vor Covid habe ich ein Jahr lang auf Teneriffa gelebt und für ein ungarisches Reisebüro gearbeitet (Viasale Travel). Wir hatten zwei fakultative Ausflüge – die Teide‑Inselrundfahrt und die Historischen Städte. Natürlich war die Inselrundfahrt die beliebtere, fast ein Pflichtprogramm für alle, die zum ersten Mal auf der Insel waren, vor allem wegen des Teide. Eigentlich waren aber beide Ausflüge empfehlenswert, denn die Inselrundfahrt führte in den Westen der Insel und konzentrierte sich eher auf die Natur, während der andere Ausflug in den Osten führte und das bauliche Erbe zeigte. Ich habe bei keinem der beiden Ausflüge als Reiseleiterin gearbeitet, nur wenn auch Slowaken dabei waren, dann habe ich übersetzt, weil ich die Einzige war, die auch Slowakisch sprach. Aber das kam nicht oft vor, deshalb war ich nur ein paar Mal bei diesem Ausflug dabei.
Die Abfahrt war zwischen 8 und 9 Uhr morgens im Süden. Nachdem wir die Gäste im Süden eingesammelt hatten, fuhren wir in Richtung Westen.
Teneriffa, „die Insel des ewigen Frühlings“, ist die größte der sieben Kanarischen Hauptinseln und liegt im Atlantik, etwa 300 Kilometer von der afrikanischen Küste entfernt. Die Fläche beträgt 2 034 km², die Einwohnerzahl 905 000. Das Besondere an der Insel ist, dass sie zwei Gesichter hat: der Süden und der Norden sind völlig unterschiedlich. Während der Süden karg und trocken ist und im ganzen Jahr nur etwa 15 Regentage hat, ist der Norden völlig grün, dafür aber kühler und regenreicher. Genau deshalb ist der traditionelle besiedelte Teil der Insel der Norden – hier findet man wunderschöne Natur und historische Städte. Die Touristenzentren wurden dagegen im Süden gebaut, wegen des konstant angenehmen Wetters. Auf der Insel gibt es sogar innerhalb der beiden Regionen mehrere Mikroklimata mit jeweils anderem Wetter. All das verdankt die Insel dem Teide‑Vulkan, der in der Mitte Teneriffas aufragt. Die Insel hat zwei Flughäfen: den nördlichen Los Rodeos und den südlichen Reina Sofía, der 1978 eröffnet wurde. Seitdem entwickelte sich der Tourismus richtig – heute besuchen jährlich 5 Millionen Touristen die Insel.
LOS GIGANTES
Unser erster Halt war der Aussichtspunkt Archipenque oberhalb von Los Gigantes. Los Gigantes, „die Riesen“, ist eine 500–800 m hohe Steilwand, die Teil des Teno‑Gebirges ist. Sie erstreckt sich etwa 16 Kilometer entlang der nordwestlichen Küste der Insel, von Gigantes bis zum Leuchtturm Punta del Teno. Eine weitere Besonderheit von Gigantes ist, dass in der Umgebung viele Delfine und Grindwale leben. Der Aussichtspunkt liegt direkt an der Hauptstraße und ist einer der besten Orte, um die Steilwand sowie die Orte Los Gigantes und Puerto de Santiago mit dem kleinen Hafen zu bewundern. Es gibt dort ein kleines Café und einen Souvenirladen, aber sie sind nicht immer geöffnet. Wir hielten hier ohnehin nur ein paar Minuten, um die Aussicht zu fotografieren.
GARACHICO
Unser nächster Halt war im Norden oberhalb von Garachico, beim Restaurante Mirador de Garachico. Dort gibt es ein Restaurant, ein Café und einen Souvenirladen direkt an der Straße. Vom Café und vom Aussichtspunkt auf dem Dach des Restaurants hat man einen wunderschönen Blick auf die kleine Stadt Garachico – bei gutem Wetter natürlich, denn es kam schon vor, dass so dichter Nebel war, dass man gar nichts gesehen hat!
Garachico war früher der bedeutendste Hafen Teneriffas – hierher brachten die Schiffe ihre Waren aus Europa, Afrika und Amerika. Das änderte sich, als 1706 der Vulkan Trevejo ausbrach und den Hafen mit Lava überflutete. Ein großer Teil der Stadt wurde wieder aufgebaut, aber der Hafen wurde nie erneuert. Von da an übernahm Puerto de la Cruz die Rolle des Haupthafens. Heute ist Garachico ein kleines Städtchen, das stolz auf seine Vergangenheit ist. Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten sind neben der Pfarrkirche die natürlichen Meeresschwimmbecken, die durch die ins Meer geflossene Lava entstanden sind. Garachico liegt auf einer kreisförmigen Halbinsel, die man von oben gut sehen kann, ebenso wie den separaten Felsen Roque de Garachico.
Beim Aussichtspunkt blieben wir eine halbe bis dreiviertel Stunde. Im Café kann man mehrere lokale Spezialitäten probieren, wie den Barraquito (Kaffee mit Likör), oder einige Süßigkeiten wie das Bananengebäck, die Mandel‑Torte oder die Kürbis‑Teigtaschen. Im Souvenirladen kann man typische Produkte von Teneriffa kaufen, und die Toiletten kann man gegen Konsumation benutzen.
Wenn wir mit einem kleinen Bus unterwegs waren (maximal 30 Personen), fuhren wir auch nach Las Cruces hinunter, um die Bananenplantagen und die Aussicht auf Garachico aus der Nähe zu sehen. Schon die Serpentinenstraße selbst war sehenswert, und man konnte schöne Fotos von Garachico machen.
ICOD
Nicht weit von Garachico liegt die kleine Stadt Icod de los Vinos, die – wie der Name schon sagt – für ihre Weine bekannt ist. Die Stadt liegt im Norden der Insel in einem fruchtbaren Tal, in dem früher Zuckerrohr angebaut wurde; heute findet man hier Bananenplantagen und Weinberge..
Am Stadteingang stiegen wir aus dem Bus aus und gingen zu Fuß zum Hauptplatz. Unser erster Halt war am Hauptplatz das Haus der Könige, die Malvasia Casa de los Reyes, wo wir typische lokale Produkte probierten. Vor allem lokale Weine aus verschiedenen Teilen der Insel, außerdem Bananenwein und Bananenlikör aus lokalen Bananen, Ziegenkäse, Soßen, Marmeladen und sogar Drachenblutlikör. Es lohnte sich, hier lokale Produkte zu kaufen, denn die Auswahl war wirklich groß.
Die berühmteste Sehenswürdigkeit von Icod ist der 1000‑jährige Drachenbaum, der zum Symbol Teneriffas geworden ist. Der Drachenbaum – oder Drachenblutbaum – kommt weltweit nur an wenigen Orten vor. Sein bekanntester Standort ist die Insel Sokotra im Indischen Ozean. Seinen Namen erhielt er wegen des roten Harzes im Stamm. Dieses wurde schon in der Antike als Wundermittel und Elixier verwendet. Auf Teneriffa gibt es mehrere Drachenbäume, aber der in Icod ist der berühmteste, größte und älteste. Man sagt, er sei 1000 Jahre alt, aber sein tatsächliches Alter wird auf 600–800 Jahre geschätzt. Der Drachenbaum wächst langsam, etwa 1 Meter in 10 Jahren, und da er keine Jahresringe hat, kann man sein Alter nicht genau bestimmen. „El drago“, wie ihn die Einheimischen nennen, ist etwa 22 m hoch, hat einen Durchmesser von 10 m am Fuß und einen Umfang von 20 m. Das Drachenblut wird in der Medizin verwendet – bei Schnitt‑ oder Brandverletzungen, da es die Haut regeneriert –, aber auch als Farbstoff und sogar im Instrumentenbau. Der Drachenbaum von Icod steht seit 1917 unter Denkmalschutz. Er ist von einem Park umgeben, für den man Eintritt zahlen muss, aber am besten sieht man ihn vom Platz vor der Kirche aus – kostenlos. Auch wir betrachteten ihn von dort.
Es gab etwas Freizeit zum Fotografieren, die Kirche (Iglesia de San Marcos) war schön, ebenso der kleine Park daneben, der voller exotischer Bäume war. Danach gingen wir hinunter zum Busparkplatz und fuhren weiter.
Wir fuhren mit dem Bus durch den gesamten Norden der Insel, von Icod bis nach La Esperanza, denn dort aßen wir zu Mittag, im Restaurant Las Rosas direkt an der Straße.
TEIDE
Der Höhepunkt unseres Ausflugs war der Teide, der mit seinen 3 718 m nicht nur der höchste Punkt Teneriffas, sondern ganz Spaniens ist. Außerdem ist er der dritthöchste Vulkan der Welt nach dem Mauna Loa und dem Mauna Kea auf Hawaii – allerdings nicht wegen der 3 718 m Höhe, sondern weil der Vulkan vom Meeresboden aus gemessen etwa 7 500 m hoch ist. Der Teide ist ein relativ junger Vulkan, er begann sich erst vor etwa 170 000 Jahren zu bilden. Er ist ein aktiver, ruhender Vulkan, der zuletzt 1909 aus dem Chinyero‑Schlot ausbrach.
Der Teide‑Nationalpark beginnt auf etwa 2000 m Höhe und hat eine Fläche von 18 990 Hektar, das entspricht etwa einem Zehntel der Insel. Seit 1954 ist er Nationalpark, seit 2007 gehört er zum UNESCO‑Welterbe.
Zum Teide führen vier Straßen aus verschiedenen Teilen der Insel. Wir kamen von Esperanza, dem letzten Ort vor dem Teide. Zuerst fuhren wir lange durch den Kiefernwald, in dem es nur kanarische Kiefern gibt. Interessant ist, dass ihre langen, dünnen Nadeln Feuchtigkeit aus dem Nebel aufnehmen und später zu den Wurzeln tropfen lassen – so bewässern sie sich selbst. Ein weiteres Merkmal ist, dass sie feuerresistent sind. Leider gibt es hier oft Waldbrände, bei denen die Nadeln zwar verbrennen, aber die Bäume später wieder austreiben.
Unser erster Halt war noch im Wald, beim Aussichtspunkt Mirador de Chipeque, von dem aus man meist nur die Wolken unter sich sieht. Das ist auch unterwegs oft so. Nach dem Kiefernwald wird die Vegetation immer spärlicher, hier gibt es nur noch kleine Büsche und Kakteen, denn hier regnet es nicht – die Wolken liegen meist unterhalb dieser Höhe. Deshalb gehört der Teide zu den sonnigsten Regionen Spaniens.
Unterwegs hielten wir an mehreren Stellen zum Fotografieren, es gibt viele Aussichtspunkte entlang der Straße, von denen man die vulkanische Landschaft und das Wolkenmeer unter uns bewundern kann. Manchmal hielten wir auch in der Nähe des Observatoriums. Das Observatorium wurde 1964 auf 2400 m Höhe gebaut. Dieser Ort erwies sich als ideal, denn hier gab es keine Wolken und keine Luftverschmutzung. Inzwischen war die Insel jedoch stark bebaut und es gibt Lichtverschmutzung, daher ist der Ort für die Sternbeobachtung nicht mehr so geeignet. Deshalb wurde auf der Insel La Palma ein weiteres Observatorium in derselben Höhe gebaut, wo es weniger nächtliches Licht gibt. Das Teide‑Observatorium wird heute hauptsächlich für Sonnenforschung genutzt..
Je näher wir dem Teide kommen, desto weniger Vegetation gibt es – schließlich gar keine mehr. Nur die kahle vulkanische Landschaft, die am ehesten an den Mars erinnert. Rund um den Teide liegt die Caldera Las Cañadas, eine riesige Senke, die entstand, als der hier stehende etwa 4 800 m hohe Riesenvulkan bei einem Ausbruch explodierte und einstürzte. Die Caldera ist 16 × 11 km groß und hat stellenweise eine fast senkrechte, 600 m hohe Wand.
Unser letzter Halt war beim Parador‑Hotel. Dort gibt es ein Buffet, einen kleinen Souvenirladen und natürlich Toiletten. Wir blieben hier etwa 45 Minuten, in denen man einen Nachmittagskaffee trinken und den Aussichtspunkt am anderen Ende des Parkplatzes besuchen konnte. Dort befindet sich die Felsgruppe Roques de García, deren berühmtester Teil der 27 m hohe Roque Cinchado ist, der gestreifte Felsen, der auf vielen Fotos und Postkarten zu sehen ist.
Auf dem Rückweg hielten wir noch an einer Stelle, an der mein Reiseleiterkollege zeigte, was eine vulkanische Bombe ist. Das sind kugelförmige Steine, die der Vulkan beim Ausbruch aus dem Krater schleuderte und die in der Luft erstarrten und dann zu Boden fielen. Es gibt Orte, an denen sehr viele davon liegen.
Von hier aus ging es dann wirklich nur noch zurück – auf die Autobahn – und gegen 19 Uhr kamen wir normalerweise wieder bei den Hotels an.
Weitere Bilder von Teneriffa:
https://link.shutterfly.com/9hil9bZF24























