MURANO & BURANO
Die beiden bekanntesten Inseln Venedigs sind Murano und Burano. Beide wurden von den Bewohnern der römischen Stadt Altinium besiedelt, die vor den Barbaren flohen und die Inseln nach den sechs Toren ihrer verlorenen Stadt benannten: Murano, Burano, Mazzorbo, Torcello, Ammiana, Costanziaco. Murano lebte zunächst vom Fischfang, von der Salzproduktion und vom Seehandel. Später wurde die Insel natürlich vor allem für ihre Glasherstellung berühmt, doch bis ins 19. Jahrhundert waren auch ihre Obstgärten bekannt. Der Beginn der Glasproduktion reicht bis ins Jahr 1291 zurück, als der venezianische Doge die Glasherstellung aus Venedig verbannte, da sie für die Gebäude der Stadt eine Brandgefahr darstellte. Bald darauf wurde Murano zum führenden Glasproduzenten Europas. Vor allem Glasperlen, Spiegel und Kronleuchter wurden hier hergestellt.
Die Glasmeister von Murano hatten verschiedene Privilegien, durften jedoch die Republik niemals verlassen. Wer es dennoch versuchte und erwischt wurde, dem drohte man an, seine Familie zu töten. Trotzdem gab es einige, denen die Flucht ins Ausland gelang, wo sie eigene Glasmanufakturen gründeten. Im 18. Jahrhundert begann das Handwerk zu stagnieren, doch die Glasherstellung ist bis heute das Markenzeichen Muranos. Man kann sie an vielen Orten direkt in den Werkstätten besichtigen, wo natürlich auch Einkaufsmöglichkeiten bestehen. Es lohnt sich wirklich, eine solche lokale Glasfabrik (Fornace) zu besuchen und die aus Muranoglas gefertigten Meisterwerke zu bewundern.
Burano liegt 11 km von Venedig entfernt und ist vor allem für seine farbenfrohen Häuser und seine Spitzenherstellung bekannt. Der Legende nach bemalten die Fischer ihre Häuser so bunt, damit sie schon von weitem auf dem Meer sichtbar waren und sie bei Nebel leichter nach Hause fanden; auch ihre Boote hatten dieselben Farben wie ihre Häuser. Die Bewohner müssen bis heute eine Genehmigung der Stadt einholen, um ihre Häuser in einer bestimmten Farbe streichen zu dürfen.
Burano war bis ins 16. Jahrhundert eine unbedeutende kleine Insel, als sich hier die Spitzenherstellung verbreitete. Sie kam von Zypern, das damals eine venezianische Kolonie war, und schon bald wurde die hier gefertigte Spitze in ganz Europa exportiert. Die Arbeit war äußerst anspruchsvoll, denn jede Frau spezialisierte sich auf nur einen einzigen Stich – insgesamt gab es sieben –, sodass jedes Stück von Hand zu Hand weitergereicht wurde. Die Herstellung einer einzigen Spitzendecke konnte einen Monat dauern. Heute ist der Großteil der in den Geschäften angebotenen Spitze maschinell gefertigt.
Zu den Sehenswürdigkeiten der Insel gehören der schiefe Glockenturm der Kirche San Martino auf der Piazza Galuppi sowie das Spitzenmuseum, das in der ehemaligen Spitzenschule eingerichtet wurde.
***EINIGE INTERESSANTE FAKTEN ÜBER VENEDIG:
- Venedig ist untrennbar mit den Gondeln verbunden, den meistfotografierten Wasserfahrzeugen der Welt. Gondeln sind lange, schmale Boote mit flachem Boden, die für die schnelle Fortbewegung zwischen den Kanälen entwickelt wurden. Sie stammen aus dem 11. Jahrhundert, die ersten Zeichnungen der Gondeln jedoch erst aus dem 15. Jahrhundert. Damals sahen sie ganz anders aus als heute: einfacher, unbequemer und meist von zwei Gondolieri gesteuert. Im 16. Jahrhundert hatten sie sogar eine kleine Kabine, die die Passagiere vor schlechtem Wetter schützte und ihnen Privatsphäre bot. Heute gibt es diese Kabine nicht mehr, vor allem weil Gondeln inzwischen hauptsächlich touristischen Zwecken dienen und die Aussicht nicht versperrt werden soll. Die heutigen Gondeln sind ausschließlich schwarz, doch das war nicht immer so… Bis zum 16. Jahrhundert waren sie bunt, dann jedoch wurde ein Gesetz erlassen, das nur schwarze Gondeln erlaubte, um den Wettbewerb zwischen den Besitzern zu unterbinden. Ihren Höhepunkt erlebten die Gondeln im 17.–18. Jahrhundert, als es 8–10 000 Stück gab; heute sind es nur noch etwa 400. Sie werden ausschließlich im Tourismus und bei verschiedenen Festen eingesetzt.
Die Konstruktion der Gondeln ist faszinierend: Sie sind 11 m lang, 138 cm breit und wiegen 600 kg. Sie sind asymmetrisch – ihre linke Seite ist 24 cm länger als die rechte –, damit ein einziger Gondoliere sie gut steuern kann, ohne dass das Boot schief im Wasser liegt oder kippt. Sie werden aus acht Holzarten (Fichte, Eiche, Kirsche, Walnuss, Ulme, Mahagoni, Lärche und Linde) gefertigt und bestehen aus 280 Einzelteilen. Ihre Herstellung dauert lange, und heute gibt es nur noch wenige Werkstätten (squeri).
Die Verzierung an der Spitze, der sogenannte „Ferro“, dient auch als Gegengewicht. Die sechs horizontalen Linien symbolisieren die sechs Stadtteile (Sestieri), die Linie auf der anderen Seite die Insel Giudecca, und der elegant geschwungene obere Teil stellt die Mütze des Dogen dar.
Die Gondolieri haben zudem ihre eigene Kleiderordnung: schwarze Hose, schwarz‑weiß gestreiftes Shirt oder weiße Bluse, schwarze geschlossene Schuhe und oft ein Strohhut mit roter Schleife. Sie haben sogar ihre eigene Sprache, eigene Zeichen und ein eigenes Lied – die Barkarole.
Die Konstruktion der Gondeln ist faszinierend: Sie sind 11 m lang, 138 cm breit und wiegen 600 kg. Sie sind asymmetrisch – ihre linke Seite ist 24 cm länger als die rechte –, damit ein einziger Gondoliere sie gut steuern kann, ohne dass das Boot schief im Wasser liegt oder kippt. Sie werden aus acht Holzarten (Fichte, Eiche, Kirsche, Walnuss, Ulme, Mahagoni, Lärche und Linde) gefertigt und bestehen aus 280 Einzelteilen. Ihre Herstellung dauert lange, und heute gibt es nur noch wenige Werkstätten (squeri).
Die Verzierung an der Spitze, der sogenannte „Ferro“, dient auch als Gegengewicht. Die sechs horizontalen Linien symbolisieren die sechs Stadtteile (Sestieri), die Linie auf der anderen Seite die Insel Giudecca, und der elegant geschwungene obere Teil stellt die Mütze des Dogen dar.
Die Gondolieri haben zudem ihre eigene Kleiderordnung: schwarze Hose, schwarz‑weiß gestreiftes Shirt oder weiße Bluse, schwarze geschlossene Schuhe und oft ein Strohhut mit roter Schleife. Sie haben sogar ihre eigene Sprache, eigene Zeichen und ein eigenes Lied – die Barkarole.
- Ein weiteres Symbol Venedigs ist der Karneval. Das Wort „Karneval“ stammt von „carne vale“, also „Leb wohl, Fleisch“, und bezeichnet die Zeit bis zum Faschingsdienstag. In Venedig wird er seit 1296 gefeiert; damals begannen die Festlichkeiten bereits zu Weihnachten und dauerten sechs Wochen. Die ersten Hinweise auf den Karneval finden sich in Gesetzestexten, da während dieser Zeit viele Vergehen begangen wurden. Ursprünglich war der Karneval ein Straßenfest für die unteren Schichten. Die armen Menschen konnten sich hinter Masken verbergen und für kurze Zeit den Reichen gleichgestellt sein. Alle gesellschaftlichen Regeln waren aufgehoben. Die eleganten Kostüme und Masken, die wir heute kennen, tauchten erst im 18. Jahrhundert auf. 1797 verbot Napoleon die Faschingsfeiern, erst 1979 wurden sie von einer Gruppe venezianischer Studenten wiederbelebt. Seitdem findet der Karneval jedes Jahr statt und ist das größte Fest der Stadt.
Die Maskenherstellung war früher wie heute sehr beliebt. Venezianische Masken werden aus Pappmaché, Stoff, Leder, Federn, Muscheln und Perlen gefertigt. Früher hatte jede Maske ihre eigene Bedeutung. Originalmasken kosten zwischen 50 und 200 Euro, doch natürlich kann man überall auch billige chinesische Nachahmungen kaufen, die bei etwa 7 Euro beginnen.
Die Maskenherstellung war früher wie heute sehr beliebt. Venezianische Masken werden aus Pappmaché, Stoff, Leder, Federn, Muscheln und Perlen gefertigt. Früher hatte jede Maske ihre eigene Bedeutung. Originalmasken kosten zwischen 50 und 200 Euro, doch natürlich kann man überall auch billige chinesische Nachahmungen kaufen, die bei etwa 7 Euro beginnen.
- Die Dogen waren die höchsten Vertreter der Republik Venedig. Ihr Name stammt vom lateinischen „dux“, was Herzog oder Heerführer bedeutet. Anfangs war ihre Macht nahezu unbegrenzt, später jedoch wurde sie zunehmend eingeschränkt. Interessant ist, dass das Amt des Dogen nicht erblich war, sondern von der Aristokratie auf Lebenszeit gewählt wurde. Der Legende nach war der erste Doge Paoluccio Anafesto, der 697 vom Exarchen von Ravenna ernannt wurde. Insgesamt gab es 120 Dogen; der letzte war Ludovico Manin, der abdanken musste und Venedig 1797 an Napoleon „verkaufte“.
- Die Orientierung in Venedig ist nicht besonders einfach. Mit einer Karte sollte man es gar nicht erst versuchen. Die Richtung zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten wie San Marco, Rialto, Accademia, Ferrovia oder Piazzale Roma wird durch gelbe oder weiße Schilder mit Pfeilen angezeigt. Die Namen der Straßen und Plätze stehen auf weißen Tafeln mit schwarzer Schrift. Und was bedeutet was? Calle ist eine Straße, rio ein Wasserweg, fondamenta eine Straße entlang eines Kanals, riva eine Straße am Canal Grande, campo ein Platz, campiello ein kleiner Platz und ponte eine Brücke. Und noch etwas… die Hausnummerierung ist ein Rätsel, das selbst die Einheimischen nicht lösen können!
- Wenn wir über Venedig sprechen, müssen wir auch das sogenannte acqua alta erwähnen – das Hochwasser. Zwischen September und April wird die Stadt regelmäßig überflutet. In einem Jahr kann es fünf, aber auch fünfzig Hochwasser geben. Die Bewohner haben gelernt, damit zu leben. Wenn der Wasserstand steigt, ertönen Sirenen, und auf den Straßen und Plätzen werden Stege aufgebaut, auf denen die Menschen gehen können.
- Venedig ist die größte europäische Stadt, in der keine Autos fahren, und erfüllt dennoch die Rolle einer modernen Großstadt des 21. Jahrhunderts. Man erreicht die Stadt mit dem Boot von Punta Sabbioni aus oder über das Festland mit Auto, Bus oder Zug über die Ponte della Libertà bis zur Piazzale Roma, oder mit dem Flugzeug zum 13 km entfernten Flughafen Marco Polo. Die wichtigsten Verkehrsmittel in Venedig sind die Vaporetti, die Wasserbusse. Erwähnenswert sind auch die Traghetti – leere Gondeln, die dazu dienen, den Canal Grande an einigen Stellen zu überqueren. In Venedig bewegt sich jeder auf dem Wasser: Taxis, Polizei, Rettungsdienst, Müllabfuhr, es gibt sogar schwimmende Märkte und Leichenboote.
- Die Häuser Venedigs stehen auf Millionen von Pfählen aus Eiche und Lärche, die aus den Alpenwäldern stammen. Die Pfähle wurden dicht nebeneinander in den tonigen Meeresboden bis zu einer Tiefe von 8 m gerammt. Dort enthält das Wasser keinen Sauerstoff mehr, sodass das Holz nicht verrottet. Auf die Pfähle legte man horizontale Bretter, und die Fundamente der Häuser bestehen aus istrischem Kalkstein. Die Wände wurden mit wasserfestem Putz bedeckt. Noch eine interessante Tatsache… die bröckelnden Häuser werden nicht aus Nachlässigkeit nicht renoviert, sondern weil strenge Vorschriften gelten. Sie dürfen nur mit einem speziellen Stuck verputzt werden; alles andere würde aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit, des Salzgehalts und des Windes abfallen und Passanten gefährden...
- Zur Geschichte Venedigs gehören auch die Kurtisanen, die eine praktische Bedeutung hatten. Man darf sie sich nicht wie heutige Prostituierte vorstellen, sondern eher wie japanische Geishas: Frauen, die einflussreiche Männer unterhielten, gebildet und vornehm waren und sich oft auch in den Künsten auskannten. Da im mittelalterlichen Venedig die Homosexualität immer verbreiteter wurde und die Bewohner fürchteten, dass ihr Volk ohne Nachwuchs aussterben könnte, unterstützte man auch die Kurtisanen. Homosexualität konnte bis ins 15. Jahrhundert sogar mit dem Tod bestraft werden. Die bekannteste Kurtisane war Veronica Franco, deren Leben auch verfilmt wurde (Die Kurtisane von Venedig).
- Im Mittelalter war Venedig ein Zentrum der Kultur und des kulturellen Lebens. Viele berühmte Maler lebten und arbeiteten hier, darunter Bellini, Tizian, Tintoretto und Veronese, und es entwickelte sich sogar ein eigener Malstil – die venezianische Schule. Zu den berühmten Söhnen der Stadt gehören der Komponist Antonio Vivaldi, der Landschaftsmaler Canaletto, Giacomo Casanova, der Dramatiker Carlo Goldoni und der Reisende Marco Polo. Aber auch Dante, Petrarca, Goethe, Thomas Mann, Percy Bysshe Shelley, Hemingway, Nietzsche, Wagner und Strawinsky lebten hier. Neben dem Karneval gehören zu den bekanntesten Festivals der Stadt die Biennale von Venedig, die Filmfestspiele auf dem Lido und die historische Regatta.
Weitere fotos von Venedig, Murano & Burano:
https://qq0u.app.link/e/2VFcd2nZaU
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